Kaffee aus der Karlsbader Kanne

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Kurz vorab:

Die Karlsbader Kanne steht für entschleunigte Kaffeezubereitung mit Tradition. Der Text erklärt Herkunft, Besonderheiten des Porzellanfilters und zeigt Schritt für Schritt, wie durch schonenden Handaufguss ein vollmundiger Kaffee mit intensiven Aromen entsteht.

Die Zubereitung von Kaffee aus der Karlsbader Kanne

Die Zubereitung von Kaffee aus der Karlsbader Kanne besitzt schon eine alte Tradition, die bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den feinen Wiener Kaffeehäusern gepflegt wurde. Dabei gehen die Begriffe „Karlsbader Kanne“ oder auch „Böhmische Kanne“ auf ein Fabrikat aus der Porzellanmanufaktur Walküre in Bayreuth zurück, das zunächst aus weißer und glasierter Keramik mit einer rundlichen Form bestand. Die im Jugendstil gefertigte Kanne benannte der Hersteller anschließend nach dem vornehmen Heilkurort Karlsbad in Böhmen.

Da der Ort einen guten Klang bei den Reichen und Künstlern aus jener Zeit genoss, setzte sich dieser Markenname in der Wiener Kaffeezubereitung schnell unter der Bezeichnung „Karlsbader“ durch und wurde auch in den USA sehr populär. Von hier aus etablierte sich überdies auch der Begriff „Karlsbader Kanne“ als generelle Bezeichnung für alle Seihkannen bzw. Aufgusskannen mit Dauerfilter.

Kaffeehaus

Was macht eine Kaffee-Zubereitung aus der Karlsbader Kanne aus?

Die Karlsbader Kanne gehört zu den sogenannten französischen Seihkannen. Was bedeutet, dass der Kaffee im Gegensatz zur Herstellung mit einer Filterkaffeemaschine hier mit einem Handfilter langsam und schonend aufgebrüht wird. So entsteht Schritt für Schritt ein vollmundiges Produkt, was nach der Zubereitung alle seine Aromastoffe, wie Fette, Öle und Säuren beibehalten hat.

Zudem besitzt der Porzellanfilter, der während des Brühvorganges auf die Aufgusskanne gesetzt wird, den Vorteil geschmacksneutral zu sein, sodass keine unerwünschten Stoffe den Genuss des Kaffees negativ beeinflussen können. Überdies kann ein Handfilter aus Porzellan immer wieder verwendet werden und ist dadurch sehr umweltfreundlich und nachhaltig.

Espressomaschine

Eine weitere positive Eigenschaft ist zudem, dass Porzellan ein schlechter Wärmeleiter ist und der Kaffee auf diese Weise länger seine Temperatur behält. Am wichtigsten ist jedoch zu erwähnen, dass man mit der Zubereitung aus der Karlsbader Kanne auch eine gewisse Kaffee-Kultur zelebriert. So kann der Kaffee, dank der wenig benötigten Utensilien einer Seihkanne, nicht nur vor den Augen aller Gäste frisch aufgegossen, sondern auch direkt am Tisch serviert werden. Dadurch schmeckt er vielen Menschen besonders gut.

Welche Kaffeesorten eignen sich für den „Karlsbader“?

Im Prinzip eignet sich jede Kaffeesorte für das Aufgussverfahren mit der Karlsbader Kanne. Wer jedoch auf seinen Koffein-Konsum achten muss, sollte hierfür eher milde oder sogar entkoffeinierte Sorten wählen, da bei dieser Methode sämtliche Inhaltsstoffe im Kaffee verbleiben. Überdies gilt: Je wertvoller eine Kaffeesorte ist und je mehr interessante Geschmacksnoten sie enthält, desto besser wird sie sich während der Zubereitung in der Karlsbader Kanne entfalten und später beim Genießen ihre gesamten Aromen preisgeben können.

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Zubereitung Schritt für Schritt

Für die Zubereitung von Kaffee aus der Karlsbader Kanne braucht der Anwender nicht wirklich viele Utensilien. Die meisten bringt die Böhmische Kaffeemaschine sogar selbst mit. So besteht sie in der Regel aus einer Aufgusskanne, dem mehrlagig perforierten Porzellanfilter, einem Wasserverteiler und einem Deckel. Da die Herstellung der Poren im Handfilter sehr komplex ist, wird die Karlsbader Kanne auch meist zu einem exklusiven Preis angeboten. Dafür erhält ihr Besitzer auch ein hervorragendes Produkt, was er stets wieder verwenden kann.

Wer nun einen handgefilterten Kaffee aus der Karlsbader Kanne genießen möchte, sollte die Kaffeebohnen zunächst in einer Kaffeemühle sehr grob mahlen. Dies ist den relativ großen Löchern des Handfilters geschuldet, die aufgrund des Herstellungsverfahrens und des Brennvorgangs in der Porzellanmanufaktur nicht kleiner ausfallen können. Aufgrund der groben Körnung des Kaffeepulvers verhindert man so dieses später im Sud wieder zu finden. Auch etwaiger Feinstaub im Mahlgut sollte vor dem Aufbrühen des Kaffees entfernt werden, damit dieser den Geschmack nicht störend beeinträchtigt.

Nun hebt man den Wasserverteiler ab und füllt den gemahlenen Kaffee hinein. Im nächsten Schritt erfolgt nun das sogenannte „Blooming“. Dazu empfiehlt man, das Mahlgut im Filter mit der doppelten Menge an Wasser gleichmäßig anzufeuchten. Dadurch verbindet sich das Kaffeepulver homogen mit dem Wasser, sodass trockene Stellen und feinste Partikel (=Fines) vorgebeugt werden, die zu einer späteren ungleichmäßigen Trennung der Aromastoffe vom Kaffeemehl führen würden. Deshalb sollte man den Filter jetzt besser kurz auf ein separates Gefäß stellen, um damit eventuell ausgespülten „Fines“ aufzufangen.

Um eine gute Verteilung von Wasser und Mahlgut zu gewährleisten, sollte das „Blooming“ mind. 30 Sekunden dauern. Dies erkennt man am besten, wenn das Kaffeemehl im Wasser gut aufgequollen ist und sich ein charakteristisches „Cake“ an der Oberfläche gebildet hat.

Anschließend setzt man den Handfilter und den Wasserverteiler wieder auf die Aufgusskanne und gießt nun kontinuierlich heißes Wasser mit einer optimalen Aufgusstemperatur von 95 Grad durch den Filter, bis die Kanne gefüllt ist. Dabei sollte stets ein wenig Platz im Porzellanfilter entstehen, bevor man erneut nachschüttet. Danach benötigt der Kaffee eine ungefähre Zeitspanne von 6-8 Minuten, um in Ruhe ziehen zu können. Zuletzt kann jetzt der Filter und Wasserfilter entfernt und der Kaffee direkt serviert werden.

Verwendete Fotos:
1. Kanne. Image by Hans from Pixabay
2. Kaffeehaus. Image by Jörg Peter from Pixabay
3. Espressomaschine. Image by StockSnap from Pixabay