Berühmte Kaffeehäuser aus aller Welt – das Brasserie Lipp
Kurz vorab:
Die Brasserie Lipp erzählt die Geschichte der Pariser Brasserien seit dem 19. Jahrhundert. Von elsässischer Küche über kunstvolle Architektur bis hin zu politischen Debatten wurde sie zum Treffpunkt von Kultur, Genuss und Geschichte.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Die Geburt der Pariser Brasserien
Um das Ende des 19. Jahrhunderts kamen Flüchtlinge aus dem Elsass-Lothringen nach Paris und eröffneten die ersten Brasserien in der Stadt. Mit ihnen setzte ein Trend von unkomplizierten Restaurants ein, die vergleichsweise mehr Warmspeisen mit traditioneller einheimischer Küche anboten. Eine der bekanntesten dieser Brasserien ist die Brasserie Lipp, die die elsässische Kulinarik dominiert, die Leonard Lipp erstmalig in Paris einführte. Doch die Geschichte der Brasserie reicht weiter zurück und endet schließlich in der klassischen Brasserie Lipp, die bis heute ihre Beliebtheit bewahrt.
Die Anfänge von Brasserie Lipp

1880 kam Lipp nach Paris, seine Heimat war besetzt. Er war ein Feinschmecker von Bier und ein leidenschaftlicher Zubereiter von Sauerkraut, also beschloss er, seine Vorlieben in Form eines einfachen Restaurants mit zehn Tischen und Zapfstellen für Bier zu etablieren. Dieses Lokal sollte eigentlich nur den Lebensunterhalt sichern, wurde aber mit der Zeit zu einer Legende, die bis heute stolz ihren Namen trägt. Nach dem Tod des ersten Gründers Lipp übernahmen verschiedene Besitzer die Brasserie, bis schließlich der Name von Marcelin Cazes sich durchsetzte.
Marcelin Cazes und seine Frau Clemens
Marcelin Cazes übernahm 1920 gemeinsam mit seiner Frau Clemens die Brasserie und renovierte das gesamte Ambiente, wodurch sie einen immensen Besucherzulauf erreichten. Die holzverkleidete Fassade, die 1880 erbaut wurde, blieb unberührt und steht bis heute unter Denkmalschutz und bewahrt den Charme der alten Brasserie am Boulevard.
Das Ehepaar widmete sich bis ins kleinste Detail der Inneneinrichtung, um eine gewisse Aura zu erschaffen, die eine Verbindung von Klassik und Moderne herstellt. Der Maler Charly Garrey wurde engagiert, um Kunstwerke an Decken und Wänden zu zaubern, inspiriert von Polo Veronese. Die afrikanischen Szenen, die einst nur zur Verzierung dienten, wurden zum Mittelpunkt des gesamten Dekors.
Architektonische Inspiration und künstlerische Ausgestaltung

Zusammen mit dem Architekten Madeline schufen sie eine damals extravagante Atmosphäre mit Lichtern, Lederbänken, Spiegeln und dunklem Holz. Besonders sehenswert war die kunsthandwerklich hergestellte Keramik, die Fayence, die mit Papageien und exotischen Pflanzen bemalt ist. Die gefärbte und glasierte Keramik wurde durch die vielen Lichter betont und ersetzte die ehemaligen Wandkacheln.
Das Ergebnis war eine perfekte Atmosphäre, die eine hochstehende, qualitative und einladende Brasserie schuf, die sich mehr als gelohnt hat. Roger Cazes, der Sohn von Marcelin Cazes, nutzte die Erbschaft seines Vaters als ideale Vorlage für die Weiterführung eines noblen Restaurants. Er änderte klugerweise, genau wie seine Nachkommen, nichts Großes an der Einrichtung, sondern machte aus der Brasserie ein Zentrum von Politik und Kunst.
Kunst, Kultur und Politik treffen aufeinander
Die Brasserie Lipp wurde zu einem beliebten Treffpunkt für politische und kulturelle Diskussionen. In den 20er Jahren fand hier ein aktiver Austausch über Tagesgeschehen und politische Ansichten statt. Besucherlisten enthielten regelmäßig Namen von öffentlichen Personen, Politikern und Schauspielern. Prominente wie Alberto Moravia, Malraux, Camus, Sagan, Hermingway, Malraux, Leon Blum, Jacques Chirac, Pompidou waren oft zu Gast.
Die kontroversen Diskussionen fanden im Mittelpunkt einer traditionellen Küche statt, die erstklassige Qualität aufwies. Spezialitäten wie Kalb blanquette, Kalbskopf, Kabeljau brandade, Sauerkraut, Cervelatwurst mit Senf, gefüllter Schweinefuß, die Bismarck Hering oder der Braten Bauernhof ließen die elsässische Küche mit einem Hauch französischer Tradition glänzen. Natürlich wurden auch Bier und Wein angeboten, wobei der Hausriesling besonders gefragt war.
Die Spezialitäten variierten wöchentlich, jedoch war das Dessert, gefüllter Blätterteig mit Vanillecreme, fast immer verfügbar. Die ehemalige Gastronomie mit Sauerkraut und Bier wurde zu einer echten französischen Legende, die sich sogar im Sprachgebrauch wiederfand. Bestimmte Tische, insbesondere der mittlere rechte Bereich im Lipp, wurden mit einem erfolgreichen, gesellschaftlich hohen Rang in Verbindung gebracht. Diesen Ruf hatten diese Tische dem ehemaligen französischen Präsidenten Mitterand zu verdanken, der oft an diesem Tisch zu essen pflegte.
Das Lipp heute
Die historische Entwicklung und der charakteristische Charme machen das Lipp zu einem Wahrzeichen der französischen Gastronomie, besonders in Paris. Bis heute bewahrt die Brasserie ihren legendären Ruf und zieht Besucher aus aller Welt an, die die einzigartige Atmosphäre und die köstlichen Speisen genießen wollen.

